Flagge zeigen
Werner Hofmeister
- Dauer
- temporär
- Jahr
- 2020
- Ort
- Klein St. Paul
Kunst im öffentlichen Raum
Inge Vavra hat sich dem Stahl als künstlerisches Material zugewandt. In ihrer grafischen Arbeit, den Radierungen, ständig damit in Kontakt, wurde sie zusätzlich angeregt durch ihre Arbeit in einem Stahlwerk für ihren letzten öffentlichen Auftrag.
Vavra hat drei Bahnen eines 4 cm-Stahldrahtzauns überlappend vor eine Fensteröffnung des Ausstellungsgebäudes aufgehängt.
Damit greift die Künstlerin das Motiv des schablonenartigen Rasters auf, das in ihren Arbeiten immer wieder vorkommt, hier nun übertragen in eine größere Dimension und die bisher manuelle Ausführung ist ersetzt durch ein vorgefertigtes industrielles Produkt.
Die Gitterstruktur liegt deckungsgleich vor der Glasscheibe, die Begrenzung des Fensters ist zugleich auch der Rahmen eines neuen Bildes, das sich aus der Überschneidung von Gitter, Fenster, Rahmen und dahinter liegender Landschaft bzw. Architektur ergibt. Es handelt sich um ein Bild eigenwilliger Gesetzmäßigkeiten und daraus resultierender Eigenschaften, die fernab von klassischen bildnerischen Maßstäben anzusiedeln sind.
Der visuelle Eindruck unterliegt den optischen und physikalischen Phänomenen der unterschiedlichen Materialien – wie der ordnenden Strukturierung und dem changierenden Effekt, der durch die Überlagerung der Gitter hervorgerufen wird und der Spiegelung der Scheibe. Die natürlichen Gegebenheiten, der Lichteinfall, die Windbewegungen, eventueller Niederschlag, jahreszeitliche Veränderungen der Landschaft bedingen den ephemeren Charakter.
Durch die Bewegung des Betrachters schiebt sich das Gitter wie eine grafische Struktur durch das Bild, sie bestimmt die Regelhaftigkeit des Sehens und den Rhythmus.
Dualistische Strukturen, Verhüllung und Enthüllung, die Transparenz, der Durchblick, der geleitete Blick sind Themen, die im Oeuvre von Inge Vavra ebenso verfolgt werden, wie auch das Element der hängenden Bahn – sei sie nun aus Papier, Stoffen oder Maschendraht – die hier Vehikel der Seherfahrung und konstruktiver Bestandteil des künstlerischen Konzeptes zugleich ist.
Drei Grafiken mit dem Thema Regelmäßigkeit und Chaos ergänzen die Arbeit. Sensible Werke, mit knappen künstlerischen Mitteln realisiert, die Gefüge zeigen, die außerhalb jeder Ordnung entstehen. Eine chaotische Ordnung sozusagen, die physikalischen Erscheinungen gleicht.
Christine Wetzlinger-Grundnig
1942 geboren in Augsburg, Deutschland. Lebt und arbeitet in Wien und Krumpendorf, Österreich.