Kunst im öffentlichen Raum

Öffentlichkeit. Wer hat das Sagen?

„Öffentlichkeit“ meint die Straße, aber auch die Bühne der Politik und damit die Medien. „Das Private“ verweist auf die Wohnung und andere Rückzugsräume, auf Zonen des Körpers, aber auch auf Privatbesitz. „Öffentlich“ und „privat“ stehen sich aber nicht nur gegenüber: Das Private kann auch veröffentlicht und politisiert, das Öffentliche privatisiert werden.

„Öffentlich“ und „privat“ sind dementsprechend nicht Merkmale von ein für alle Mal fixierten Raumtypen. Öffentlichkeit ist vielmehr ein Gebilde, das wir mit unserem Handeln und mit unserem Erscheinen auf den mit anderen geteilten Bühnen herstellen. Es braucht immer andere, die dasjenige, was wir beginnen, weiterführen, wie diese anderen unsere Initiativen auch bestreiten oder ignorieren können. Im öffentlichen „Erscheinungsraum“ (Hannah Arendt) kann bislang nicht zur Sprache Gekommenes oder ins Bild Gesetztes präsentiert und thematisiert, Bestehendes, auch ästhetisch, herausgefordert und Äquivalenz und Solidarität spektakulär in Szene gesetzt werden. Kunst und politischer Aktivismus konstituieren diesen öffentlichen Erscheinungsraum mit, wie die öffentliche, politische Sphäre stets auch eine ästhetische ist.

Öffentlichkeit besteht jedoch nicht allein in einem Zusammenwirken von Initiativen im Gleichklang. Sie ist von Auseinandersetzungen, ja unüberbrückbaren Gegensätzen geprägt. Dies zeigt sich heute verstärkt in Polarisierung sowie in Fragmentierung und Abschottung. Die Übernahme und Aneignung von Initiativen durch andere führt vermehrt auch zur Verbreitung von Hass und Ressentiment – diese Vorgänge können selbst künstlerisch gewendet auftreten, können über Eingriffe der Kunst aber auch bearbeitet und reflektiert werden.

Unabgeschlossenes Handeln, vielfältiges Präsenzbekunden und wiederholtes Aneignen des Bestehenden setzen unkalkulierbare Verknüpfungen von Initiativen in Gang und bringen dominante Ordnungen des Sagbaren und Sichtbaren hervor. Stets milieuspezifisch und momenthaft setzt sich so durch, wer das Sagen hat. Dies bleibt aber immer fragil. Es bedarf also weiterer Initiativen, um eine solche Ordnung aufrechtzuerhalten. Diese kann aber stets auch herausgefordert, bestritten, also durch neue, auch künstlerische Initiativen verändert werden.

 

Anna Schober-de Graaf
Uni Klagenfurt, Visuelle Kultur

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